Mit digitalen Tools Gesellschaft gestalten #7 - Interview mit der AG 'digitale Lebenswelten'

von Jasmin am 23.07.18
Anna Grebe (Foto: André Beckersjürgen) & Felix Neumann (Foto: Nina Angele) vom BDKJ

Mit den Demokratielaboren wollen wir Jugendliche dazu ermutigen, sich mit Hilfe von digitalen Kompetenzen und Technologien selbstbestimmt und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. In Zeiten von Hate Speech, Fake News und Populismus ist es aber oft gar nicht so leicht, das Internet als positiven Raum zur Gestaltung zu nutzen. Wie können Jugendliche mit Hilfe von digitalen Technologien selbstwirksam werden und sich beteiligen? Dazu sprechen wir jeden Monat mit Expert/innen aus digitalen Projekten für und mit jungen Menschen. In Interview # 7: Felix Neumann und Anna Grebe vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), beide aktiv in der AG “Digitale Lebenswelten”, die regelmäßig zur digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen bloggt.

Demokratielabore: Was ist die Idee und das Ziel der Arbeitsgruppe “Digitale Lebenswelten”?

Anna: 2016 wurde auf der Hauptversammlung des Bundes der deutschen katholischen Jugend von allen Mitgliedsverbänden des BDKJ beschlossen, dass wir uns in unseren Strukturen intensiver mit den Bedingungen und Auswirkungen der digitalen Transformation auf Kinder und Jugendliche befassen müssen; dazu wurde die AG ins Leben gerufen und mit Expert_innen aus verschiedenen Verbänden besetzt.

Felix: Mit der AG haben wir unser Ziel erreicht: Der BDKJ hat im Mai auf seiner Hauptversammlung den Antrag “Teilhabe, Lebenswelt und Digitale Mündigkeit – unsere digitalpolitischen Grundhaltungen” verabschiedet, den die AG entwickelt hat – übrigens auch mit der Hilfe von Expert_innen aus der digitalen Zivilgesellschaft wie den Demokratielaboren und iRights.Lab, die wir dafür besucht haben.

Warum ist es wichtig, sich in der Verbandsarbeit stärker mit der digitalen Lebenswelt der Jugendlichen auseinanderzusetzen?

Felix: Gute Jugendpolitik kann es nur geben, wenn sie nicht über die Köpfe von Kindern und Jugendlichen hinweg gemacht wird. Das Anliegen des BDKJ ist es, die Anliegen von Kindern und Jugendlichen im politischen Diskurs zu vertreten. Das geht nur, wenn man die Lebenswelt junger Menschen ernst nimmt – und die ist gar nicht mehr undigital zu denken.

Anna: Gerade als katholische Jugendverbände nehmen wir in einem häufig eher konservativen Feld eine wichtige Rolle als Quer- und Vordenker_innen ein: Auch wenn die Digitale Transformation alles andere als “Neuland” ist - die katholische Verbandslandschaft nimmt durch unsere Arbeit hoffentlich endlich Schwung mit, ihre eigenen Zielgruppen und deren Lebensrealitäten im Zusammenhang mit Digitalität zu denken.

Welche Bedeutung nimmt eurer Meinung nach die Digitalisierung in der Jugendverbandsarbeit ein? Welche Potentiale und Herausforderungen gibt es aktuell (noch)?

Felix: Digitalthemen sind noch nicht besonders etabliert; auch da, wo es im BDKJ und seinen Mitgliedsverbänden schon große Expertise gibt – zu Themen wie weltweite Gerechtigkeit, Frieden, Beteiligung – wird leider nicht immer Digitales als Querschnittsaufgabe mitgedacht.

Anna: In einigen wenigen Verbänden gab es bereits Anfang der 2000er Jahre erste digitale Projekte, die aber eher von motivierten Einzelpersonen und deren Fachwissen getragen wurden. Dank der Niedrigschwelligkeit sozialer Netzwerke und die Verbreitung von mobile devices könnte es zumindest nun Konsens werden, dass die Digitalisierung ein Thema für Jugendverbände ist, und das nicht nur in Form von medienpädagogischen Angeboten, sondern auch als Teil von Jugendpolitik. Unsere Mitglieder sind aufgeschlossen und selbst aktive Nutzer_innen digitaler Angebote - aber der Schritt hin zum ‘digitalen Zeltlager’ ist noch eine Herausforderung.

Warum denkt ihr, ist es wichtig, dass auch Jugendliche sich digital engagieren und so ihr gesellschaftliches Umfeld mitgestalten?

Felix: Netzpolitik wird zu oft ohne eine jugendliche Perspektive gemacht. Nele Heise hat das neulich sehr gut anhand der EU-DSGVO beschrieben, die Kinder nur behüten will – aber nicht als selbständige Akteur*innen im Digitalen wahrnimmt. Ein anderes Beispiel ist Urheberrecht: Da war es vor einigen Jahren großartig, bei den großen Demos gegen das ACTA-Abkommen nicht nur mit den üblichen Netzpolitik-Leuten auf der Straße zu stehen, sondern mit zehntausenden 14-, 15-, 16-Jährigen, die nicht wollten, dass man ihr YouTube kaputt macht.

Anna: Netz ist jugendlicher Lebensraum - und gleichermaßen ein wichtiger Freiraum, der Experimente ermöglichen soll. Damit Jugendliche dies künftig (auch/wieder/endlich) tun können, müssen wir als politische Interessensvertretungen sie ernst nehmen und dieses Engagement strukturell ermöglichen und dafür an anderen politischen Stellen lobbyieren. Digitales Ehrenamt braucht Anerkennung!

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