Mit digitalen Tools Gesellschaft gestalten #10 – Interview mit JUNGE TÜFTLER

von Jasmin am 25.10.18

Mit den Demokratielaboren wollen wir Jugendliche dazu ermutigen, sich mit Hilfe von digitalen Kompetenzen und Technologien selbstbestimmt und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. In Zeiten von Hate Speech, Fake News und Populismus ist es aber oft gar nicht so leicht, das Internet als positiven Raum zur Gestaltung zu nutzen. Wie können Jugendliche mit Hilfe von digitalen Technologien selbstwirksam werden und sich beteiligen? Dazu sprechen wir jeden Monat mit Expert/innen aus digitalen Projekten für und mit jungen Menschen. In Interview #10: Julia Kleeberger von JUNGE TÜFTLER, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Kindern die Fähigkeiten zu vermitteln, um zu Gestalter/innen der digitalen Welt zu werden.

Demokratielabore: Was ist die Idee von JUNGE TÜFTLER und an wen richten ihr euch?

Julia: Die Idee von JUNGE TÜFTLER ist es, Lernen neu zu denken und die Faszination und Begeisterung, mit der Kinder die Welt entdecken und von Geburt an lernen ein Leben lang aufrecht zu erhalten. Zentrales Element ist dabei das Lernen durch Begreifen und den Dingen spielerisch auf den Grund zu gehen: Neben technischen und logischen Problemstellungen werden ebenso soziale und ethische Fragen in unseren Veranstaltungen thematisiert, wodurch die Teilnehmenden für die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Maschine ebenso sensibilisiert werden wie für die systemischen, gesellschaftlichen Zusammenhänge.

JUNGE TÜFTLER besitzt einschlägige Expertise in der Durchführung von Maker-Workshopformaten sowie praxisorientierten Kursen im schulischen und außerschulischen Kontext für Kinder und Jugendliche von Klasse 1 bis zur Oberstufe. Um den Hands-on Bildungsansatz darüber hinaus weiter zu verbreiten, coachen wir auch Lehrkräfte und Multiplikator/innen und entwickeln in Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtsmaterialien und Lehrinhalte für die Digitalisierung in der Bildung.

Welche Rolle spielen Technologien und Digitalität bei der Selbstermächtigung von Kindern und Jugendlichen?

Wir kommen ja vom Ansatz „Lernen durch Begreifen” und sind u.a. im Bereich des Makings aktiv. Makerspaces und Fablabs kann man als offene, demokratische Hightech-Werkstätten verstehen, die Kindern und Erwachsenen einen selbstbestimmten Umgang mit High-End-Technologien ermöglichen. D.h. Technologien und digitale Werkzeuge wie Lasercutter, 3D-Drucker und Schneideplotter aber auch Mikrocontroller und Open Source-Software haben dazu geführt, dass die Herstellung von hochwertigen und komplexen Produkten nicht mehr nur großen Firmen vorbehalten ist, sondern es jetzt für jede*n möglich wird in Kleinserie hochwertige und konkurrenzfähige Innovationen zu gestalten.

Wenn Kinder und Jugendliche bereits früh lernen mit computergesteuerten Maschinen umzugehen und auf selbst gestellte Fragen eigene Antworten zu entwickeln, dann spüren sie die Kraft ihrer eigenen Selbstwirksamkeit. Sie merken also, dass sie selbst Wirkung entfalten können und die Kraft besitzen, gestaltend auf die Welt zu wirken.

Wie können junge Menschen zu Gestalter/innen der digitalen Welt werden und wie helfen Technologien und digitale Werkzeuge ihnen dabei?

Einfach machen. Digitale Werkzeuge und Technologien sind dabei nur das Vehikel. Viel wichtiger ist es, die dahinterliegenden Werte des Maker Mindsets zu verstehen. Die zugrundeliegenden Prinzipien und Methoden wie «Konstruktionismus», «Learning by doing» und «Design Thinking» versprechen einen hohen Grad an Selbstwirksamkeit und Autonomie. Gleichzeitig setzt das didaktische Konzept des Makings auf die Entwicklung von Teamfertigkeiten, Entwicklung von Problemlösungskompetenzen und der Entfaltung individueller Potenziale. Zudem schärft das Tüfteln an eigenen Lösungen und Produkten den Blick für die Funktionsweise und Wirkung technisch-digitaler Innovationen. Durch die Reflexion der Auswirkungen wird der Sinn für die gesellschaftlich-systemischen Zusammenhänge geschärft. Die User/innen von Produkten werden beim Making zu aktiven Gestalter/innen, die ihr eigenes Tun im gesellschaftlichen Gesamtkontext reflektieren.

Warum denkt ihr, ist es wichtig, dass Jugendliche sich digital engagieren und so ihr gesellschaftliches Umfeld mitgestalten?

Wir finden es wichtig, dass sich Menschen engagieren, um ihr Umfeld und die Welt zu gestalten, in der sie selbst leben wollen. Das Digitale ist hierbei ein Werkzeug, das viele Vorteile besitzt hinsichtlich Skalierung und Reichweite bzw. auch Potenziale birgt, Antworten und Lösungen auf soziale und gesellschaftliche Herausforderungen zu finden: Seien es Möglichkeiten der ressourcenschonenden Nahrungsmittelproduktion, saubere Mobilitätskonzepte oder interaktive Kleidungsstücke, um Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. In jedem Fall geht es immer darum, die Potenziale und Risiken eines jeden Werkzeuges zu kennen und sinnstiftend sowie positiv gestaltend für die Gesellschaft einzusetzen.

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