Mit digitalen Tools Gesellschaft gestalten #8 - Interview mit OPIN

von Jasmin am 23.08.18

Mit den Demokratielaboren wollen wir Jugendliche dazu ermutigen, sich mit Hilfe von digitalen Kompetenzen und Technologien selbstbestimmt und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. In Zeiten von Hate Speech, Fake News und Populismus ist es aber oft gar nicht so leicht, das Internet als positiven Raum zur Gestaltung zu nutzen. Wie können Jugendliche mit Hilfe von digitalen Technologien selbstwirksam werden und sich beteiligen? Dazu sprechen wir jeden Monat mit Expert/innen aus digitalen Projekten für und mit jungen Menschen. In Interview #8: Eva Shepherd von OPIN, einer Plattform für digitale Jugendbeteiligung in Europa.

Demokratielabore: Was ist die Idee von OP!N und an wen richtet sich das Projekt?

Eva Shepherd: Ob in der Schule, im Jugendclub oder Sportverein: Überall dort, wo Jugendliche sich engagieren oder mit Jugendlichen gearbeitet wird, müssen die unterschiedlichsten Entscheidungen getroffen werden:

  • Welches Ziel soll die nächste Klassenfahrt haben und wie viel Geld können die Schüler/innen dafür ausgeben?
  • Was soll das konkrete Thema der Projektwoche sein?
  • Mit welcher Projektidee können öffentliche Fördergelder eingeworben werden?
  • Was können wir mit der Grünfläche neben dem Jugendclub machen?

Viele Jugendliche und Fachkräfte, Sozialarbeiter/innen, Lehrer/innen, die mit ihnen arbeiten, würden solche Fragen auch gerne online zur Diskussion stellen und entscheiden. Für sie, und alle anderen, die sich für das Thema Beteiligung interessieren, wurde OPIN entwickelt. Die Plattform für digitale Jugendbeteiligung findet man im Internet unter der Addresse: https://opin.me.

OPIN steht allen Jugendorganisationen, -verwaltungen und Bildungseinrichtungen kostenlos zur Durchführung von Beteiligungsprojekten zur Verfügung. Das Ziel ist es, zeitgemäße Jugendbeteiligung zu fördern, digitale und analoge Elemente miteinander zu verbinden und Initiator*innen bei der erfolgreichen Durchführung ihrer Projekte die Unterstützung zu geben, die sie benötigen.

Wie können sich Jugendliche auf OPIN konkret beteiligen und welche Vorteile bietet die Plattform?

Kurz gesagt: Auf OPIN können Jugendliche zu verschiedenen Themen, Vorhaben und Orten Ideen sammeln, abstimmen, Texte diskutieren und Umfragen beantworten.

Und so geht es: Jeder kann auf OPIN ein neues Projekt starten. Aus sieben fertigen „Mustervorlagen“ für Beteiligungsprozesse kann man eine Vorlage aussuchen, die zu dem Thema passt, zu dem man mit den Jugendlichen arbeiten möchte. Und wenn man sich mal nicht sicher ist, hilft ein Entscheidungsassistent dabei, die für das Vorhaben optimale Vorlage zu finden.

Auf OPIN hat man folgende Möglichkeiten:

  • Texte diskutieren – gemeinschaftliches Erstellen und Diskutieren von Statements, Vereinssatzungen etc.
  • Brainstorming (mit oder ohne Karte) – Sammeln von Anregungen und Vorschlägen zu einem Thema bzw. räumliche Verortung von Ideen und Vorschlägen, zum Beispiel für die Gestaltung von Plätzen oder Grünflächen.
  • Ideenwettbewerb (mit oder ohne Karte) – Abstimmen über Ideen, die von Beteiligten zu einem Thema oder Ort eingebracht werden.
  • Tagesordnung erstellen - Organisieren von Offline-Treffen – Festlegen von Terminen und Inhalten (zum Beispiel der Tagesordnung) für eine Veranstaltung oder ein Treffen.
  • Umfrage – Erstellen von Umfragen, anpassbar an die jeweilige Situation mit unterschiedlichen Frageformaten

Den Start und das Ende des Beteiligungsprozesses kann man durch die Eingabe eines Datums und einer Uhrzeit festlegen. Wer möchte, kann während der Projektphase auf OPIN auch Offline-Veranstaltungen wie Workshops, Ortserkundungen oder Diskussionsrunden integrieren. Zeit und Ort der festgelegten Veranstaltungen werden allen Nutzer*innen auf OPIN angezeigt und die Ergebnisse der Veranstaltungen können in den Onlineprozess überführt werden. Eine Zeitleiste zeigt den aktuellen Stand des Verfahrens und führt die Jugendlichen Schritt für Schritt durch den Prozess.

Außerdem gibt es einen kostenlosen Leitfaden, der die wichtigsten Grundlagen zum Thema Onlinebeteiligung erläutert und Tipps zur Projektdurchführung gibt. Anleitungen zur Nutzung der Plattform sind auch vorhanden. Und wenn es gar nicht klappt: Bei Problemen hilft ein Supportteam vom Liquid Democracy e.V.

Wichtig ist auch, dass OPIN in Sachen Datenschutz sicher ist: Es erfolgt keine Erfassung von persönlichen Daten, Nutzer/innen geben bei der Registrierung nur eine E-Mailadresse und einen selbst gewählten Nutzer/innennamen an. Somit ist OPIN uneingeschränkt für die Arbeit mit Jugendlichen nutzbar.

Und das Beste: die Plattform ist frei und kostenlos nutzbar.

Inwieweit fördert das Projekt auch den europaweiten Austausch und die Beteiligung junger Menschen?

Dafür ist OPIN schon von vorneherein ausgelegt gewesen: Die Plattform ist das Ergebnis des Projektes „EUth – Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Partizipation in and across Europe“, welches im Rahmen des EU-Förderprogramms Horizon 2020 von 2015-2018 umgesetzt wurde. Die Plattform wurde von Beteiligungsexperten des nexus Instituts (Berlin) und dem Think Tank Liquid Democracy e.V. (Berlin) gemeinsam mit 9 weiteren europäischen Projektpartnern entwickelt. Während der Entwicklungszeit wurde die Plattform von 5 europäischen Jugendorganisationen und Kommunen getestet. Ihre Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung und Optimierung der Plattform ein, sodass man sagen kann, das OPIN von Beginn an mit Blick auf die Nutzbarkeit in ganz Europa entwickelt worden ist.

OPIN ist in mehreren europäischen Sprachen verfügbar - neben Deutsch stehen Englisch, Französisch, Italienisch Slowenisch, Mazedonisch, Griechisch, Schwedisch, Spanisch, Dänisch und Georgisch zur Verfügung.

Mittlerweile haben schon 30 europäische Jugendorganisationen in 180 Beteiligungsverfahren die Plattform getestet. Und wir hoffen auf mehr!

Warum denkst du, ist es wichtig, dass Jugendliche sich digital engagieren und so ihr gesellschaftliches Umfeld mitgestalten?

Jugendliche sind voller Tatendrang: Sie wollen mitmachen, mitbestimmen, mitdenken und mitgestalten. Alles was sie benötigen, sind Möglichkeiten und Aktionsfelder, um ihre Ideen zu entfalten und ihre Meinung zu vertreten. Diese sollten für jeden zugänglich sein – barrierefrei, unabhängig von sozialer oder nationaler Herkunft, Religion oder Geschlecht.

Internetplattformen sind ein gutes Mittel, um junge Menschen in einen Dialog zu bringen und an Projekten zu beteiligen. Nicht nur, weil auf ihnen Jugendliche mit verschiedenen Hintergründen eine ausgeglichene Chance haben, ihre Ideen und Meinungen einzubringen, sondern auch, weil man mit Hilfe von internetgestützten Angeboten Jugendliche da erreicht, wo sie sich viel aufhalten: Im Internet.

Und die aktive Mitwirkung an den Entscheidungen, die sie betreffen, ist von großer Relevanz. Die Beteiligung der Jugendlichen an Entscheidungen in ihrem direkten Umfeld fördert wichtige soziale Fähigkeiten wie sachbezogenes Argumentieren, den Glauben an die eigene Gestaltungsmacht und Konfliktfähigkeit. Außerdem stärkt die Teilnahme an gemeinsamen Entscheidungsfindungen die Entwicklung eines soliden Demokratiebewusstseins, wobei digitale Beteiligungsverfahren den expliziten Vorteil entfalten, die Medienkompetenz der Jugendlichen zu unterstützen und zu fördern.

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